Organismendemokratie

Wo:

Gelsenkirchen/Consolidation

  • English
  • 800.000 Jahre Photosynthese – Organismendemokratie Gelsenkirchen

    > STAND DER KARTIERUNG Organismen/Staatsbürgerinnen

    Gelände der ehemaligen Zeche Consolidation Gelsenkirchen (D) 2020 Foto: Club Real

    > Presse: Interview mit einer Eiche für den „Consollotsen“

    FÜHRUNGEN IM CONSOL-PARK AM SO 04.10. 15:30 UND MO 05.10. 10:00, mit Club Real und über 300 Arten von Lebewesen

    Schmalblättriges Greiskraut, Schwarzer Moderkäfer, Eichenseidenknopfgallwespe, Natternkopf, Italienische Erle…..

    Der Consol-Park ist Lebensraum, Erholungsraum und Arbeitsort für eine bunt gemischte Gruppe von Menschen und anderen Spezies. Im Rahmen des Projektes “800.000 Jahre Photosynthese” möchten wir uns mit den unterschiedlichen Lebenswelten und Bedürfnissen aller dieser Bewohner*innen und Nutzer*innen beschäftigen.

    Worüber unterhält sich der Dohlenschwarm, auf dem Förderturm? Was denkt die schwarze Blattlaus auf der Robinie neben dem Maschinenhaus? Welche Bäume leiden am meisten unter dem Trockenstress?

    Auf einer Führung zusammen mit verscheidenen Expert*innen (Nabu Gelsenkirchen, Architekt des Consol-Parks) gehen wir diesen Fragen nach. Wir versuchen, das Gelände mit anderen Augen zu sehen – uns der Wahrnehmung der anderen Spezies zu nähern und zu erkunden, was die verschiedenen menschlichen und nichtmenschlichen Gruppen auf dem Gelände wollen und brauchen. Beim Spaziergang durch den Park stellen wir das Projekt “800.000 Jahre Photosynthese” vor und erzählen über verschiedene Möglichkeiten, wie jede und jeder sich einbringen kann – mitmachen kann – dabei sein kann, wenn wir eine neue Form des „Miteinander Seins“ testen: eine Organismendemokratie.

    INFORMATIONEN UND ANMELDUNG ZU DEN FÜHRUNGEN:

    Marianne Ramsay-Sonneck oder Georg Reinhardt (Club Real): info@clubreal.de oder 01795255802

    Georg Kentrup (Consol Theater): kentrup@consoltheater.de oder Tel: 0209 988 2282

    PROJEKTBESCHREIBUNG

    2020 ist ein Jahr der großen Veränderungen. „Wie wollen, wie können wir miteinander leben?“ Auf diese Fragen gibt es plötzlich ganz neue, labile Antworten. Und die Fragen: “Wer sind Wir? Wer gehört zu diesem Wir dazu? Wie denken wir als Menschen die anderen Lebewesen, mit denen wir die Erde teilen, mit?“ tauchen mit neuer Wucht auf und verlangen nach Antworten.

    2020 ist auch das Jahr, in dem eine gemischte Gruppe unterschiedlicher Spezies beschließt, sich dem überwältigenden Erbe der ehemaligen Steinkohle-Zeche „Consolidation“ in Gelsenkirchen zu stellen.

    Kurz und berauschend war die Kohleparty. In 160 Jahren wurden allein auf dem Gelände der Zeche Consolidation 221.462.500 Tonnen Kohle aus der Tiefe geholt und als CO2 in die Atmosphäre geblasen. Wie geht es jetzt weiter?

    Ein Laubwald von der Größe des Geländes der Zeche müsste 800.000 Jahre lang Photosynthese betreiben, um dies wieder rückgängig zu machen. Das ist zwar deutlich kürzer als eine Ewigkeitsaufgabe, aber im menschlichen Maßstab immer noch sehr lang.

    Dieser Herausforderung stellt sich eine gemischte Gruppe von Lebewesen: Pflanzen, Pilze, Bakterien, Wirbellose und Wirbeltiere, die auf dem Gelände der ehemaligen Zeche leben und arbeiten.
    Sie schreiben gemeinsam eine neue Erzählung, eine Erzählung der Vielen, die aus dem Chaos und Schrecken des Ressourcen-extrahierenden Anthropozäns in andere Zukünfte führt. Zukünfte, die so vielfältig sind, wie die Anzahl der Spezies, die sie gemeinsam gestalten. Dazu brauchen sie eine neue Form von Politik, eine Politik, in der alle Spezies die gleichen politschen Rechte haben:

    Eine Organismendemokratie!

    Angesichts von Krisen werden demokratische Entscheidungen immer wieder als zu langsam empfunden oder durch autoritäres „Notstandsregieren“ ersetzt. Die Klimakrise hat aber nicht nur eine unglaubliche Dringlichkeit, ihre Bewältigung erfordert im Fall von Consolidation Gelsenkirchen auch 800.000 Jahre Nachhaltigkeit.

    In diesem Zusammenhang fragen wir uns: Was kann die Demokratie? Kann sie zum Beispiel eine Klimakrise aufhalten? Oder ist die Klimakrise selbst eine als Ökosystemwandel verkleidete Demokratiekrise, die uns zeigt, dass wir noch nie so demokratisch waren, wie wir es gerne gewesen wären? Von 2-10 Millionen Spezies, die den Planeten bewohnen (ca. 71.000 in Deutschland, ohne Mikroorganismen) hatte bisher nur eine Spezies politische Rechte.

    MITMACHEN?

    info@clubreal.de, Tel: 0179 52 55 802

    IM RAHMEN VON RUHRDING: KLIMA

    2020/2021 Urbane Künste Ruhr

    in Zusammenarbeit mit Consol Theater Gelsenkirchen